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Ein Thema der Kunst des Amerikaners Corey McCorkle sind architektonische Interventionen und wiederbelebte Objekte von besonderer kultureller Relevanz. Die Kontextverschiebungen in seinem Werk – auch in unterschiedlichen Medien – führen zu einzigartigen Informationskollisionen. In seinen Objekte und Interventionen, die die Anatomie der seherischen Erfahrung beschreiben, untersucht er den flüchtigen Raum und fordert uns zur Meditation über konzeptuelle Kuriositäten in Städtebau, Architektur, industriellem Design und Grafik heraus. Trotz ihres Hanges zum Kosmischen sind viele seiner Werke in den Bereichen Innenarchitektur, Städtebau und orthopädisches Design anzusiedeln. Die Ausstellung in der Kunsthalle Bern besteht aus sorgfältig gestalteten und ausgearbeiteten Situationen, was für ihn typisch ist. Viele der Werke beziehen sich auf die bestehenden Verhältnisse in der Kunsthalle Bern.An den Oberlichtern der Kunsthalle hat Corey Mc Corkle zwei unterschiedliche Arten von Eingriffen vorgenommen: Im Foyer verstärkt er die Valenz des einfallenden Sonnenlichtes, indem er auf die bestehende Armatur volumetrische, bis zum Bersten mit Luft gefüllte Plastikpaneele auflegt, durch die das Licht gefiltert wird. Im Hauptsaal dagegen verhindert er den Einfall des Lichtes durch das Glas in der Decke, das er im Grufti-Stil der düsteren 1980er Jahre völlig schwarz auskleidet. Damit ordnet er diesen Trend der zeitgenössischen Kunst in einen bestehenden, epischen (Bezugs-)Rahmen der Gotik ein. Gerade die monumentale Dimension dieses Werks kehrt die elegische Zelebrierung des diffusen Lichtes – z.B. in einer Kathedrale – um und evoziert Skulpturales, Undurchsichtiges, wohl auch überraschend-bedrohlich Sublimes. Das Glas der bestehenden Deckenkonstruktion wurde für diese Installation vollständig entfernt. Zwei andere Werke der Ausstellung spiegeln sich gegenseitig: Rising Sun ist eine DVD-Loop bestehend aus Hunderten von kleinen Fotos aus Inseraten in japanischen Zeitschriften, mit denen selbständig arbeitende Callgirls für sich werben. Jedes dieser Bilder zeigt eine nette, unauffällig gekleidete Bürohilfe, deren Hände nur die Augen bedecken. In einer Verneigung vor dem sexuell Schlüpfrigen aber kulturell Geduldeten prallen in dieser Art der Darstellung und dieser Geste, die so nicht zueinander passen, immer wieder eklatante Verfügbarkeit und Anonymität aufeinander. Dandelion Wine for a Tokyo Blonde (Löwenzahnwein für eine Blondine aus Tokio1) ist ein Objekt aus industriell gefertigtem Sperrholz, etwas zwischen ausladendem Teetisch und fliegendem Teppich. Dieser „Tisch“ besteht aus Tausenden von Holzstückchen mit unterschiedlicher Oberfläche, die in harten geometrischen Mustern angeordnet sind. Hieraus wird eine Fläche gebildet, welche in ihrer Ebenmässigkeit einer standardisierten Sperrholzplatte gleicht. Die wie kristallisiert erscheinenden Muster leiten sich ab aus der japanischen Kunst des Yosegi in der Edo-Zeit, einer Technik, die der Künstler letztes Jahr in der Nähe von Tokio erlernt hat.The Solar Wind (Der Sonnenwind) bezieht sich ganz spezifisch auf Bern. Das Interesse des Künstlers an der Art, wie die Übertragung von Licht dargestellt werden kann, führte ihn zur Entdeckung eines bedeutenden Ereignisses in der Forschungsgeschichte der Universität Bern, an der Wissenschaftler eine Folie zum Einfangen der direkten, also von der Erdatmosphäre unbeeinträchtigten Sonnenstrahlung entwickelt haben. Die Information dieses von der Sonne geküssten Foliematerials, welches während der ersten Apollo-Mission eingesetzt wurde, machte es möglich, die genaue chemische Zusammensetzung der Sonnenstrahlung zu ermitteln. Jenes Material nun verwendete Corey McCorkle, um Andy Warhols folgenreiche Ballone aus dem Jahr 1966 nachzubilden.In einem anderen Raum hat der Künstler eine grosse Kreisfläche des Fischgrat-Parkettbodens heraustrennen und um 23,5 Grand verschoben wieder einsetzten lassen.
Corey McCorkle (*1969, La Crosse, USA, wohnt und arbeitet in New York). Dies ist seine erste Einzelausstellung in der Schweiz. Sein Werk wird diesen Frühling ausserdem im Sculpture Center New York sowie im Middelheim Museum und Skulpturenpark in Antwerpen zu sehen sein. Weiter finden Soloausstellungen in Marres in Maastricht sowie im The Suburban in Chicago statt. Die Arbeiten von Corey McCorkle waren bisher in folgenden Museen und Galerien zu sehen: Sculpture Centre und PS1/MOMA, New York; The Suburban, Chicago; Bonner Kunstverein, Bonn; Speak For Gallery, Tokyo; objectif_exhibitions, Antwerp; Galeria Fortes Vilaça, Sao Paolo; Maccarone Inc. Gallery, New York; Stephen Friedman Gallery, London; Triple Candie, New York; Mary Goldman Gallery, Los Angeles; MurrayGuy Gallery, New York; The Renaissance Society, Chicago; Arnolfini Museum, Bristol; The Drawing Center, New York.Im letzten Jahr wurde ihm von der Japan Foundation in New York und Tokyo die US Artist Fellowship verliehen.
© Übersetzung aus dem Englischen:
Margret Powell-Joss
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