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Die Kunsthalle Bern freut sich, die erste Solo-Ausstellung der belgischen Künstlerin Anne-Mie van Kerckhoven (Antwerpen, 1951) in der Schweiz anzukündigen. Sie hat seit den späten 1970er-Jahren ein komplexes Multimediawerk entwickelt, das die Betrachtenden durch Installationen voller Bilder, Wörter und befremdlicher Klänge reisst, in denen Material aus den verschiedensten Themenkreisen zusammen geführt wird. Jede Ausstellung funktioniert als “überlebender Mechanismus” und präsentiert entweder neue Werke oder stellt ältere in einen neuen Zusammenhang. Dabei ist die Logik eher expansiv als limitierend. “Vielschichtigkeit” ist demnach positiv und als Interpretationsfeld zur Kompensation entropischer Bedeutungsstrebungen gedacht, die latent zur Selbstorganisation auffordern. Wie Anne-Mie van Kerckhoven einige ihrer Arbeiten in einer flexiblen Struktur “installiert”, ist Ausdruck ihrer unablässigen Auseinandersetzung mit Systemen unsichtbarer Formen der Selbstorganisation, als da sind das menschliche Hirn, ein Computervirus, ein lebender Organismus, eine Ameisenkolonie oder eine Internet-Datenbank.
In der Ausstellung in der Kunsthalle Bern zeigt Anne-Mie van Kerckhoven Zeichnungen und Lichtkörper sowie eine Serie von HeadNurse Installationen, bestehend aus einer hölzernen Unterlage, an welcher mindestens drei perforierte Metallbleche angebracht sind. Daran befestigt die Künstlerin mittels Magnetbeschichtung Bilder und Computerausdrucke. Zudem präsentiert die Künstlerin zwei von der Kunsthalle speziell für diesen Anlass beauftragte Werke, nämlich The Populace (2005), eine Installation in der Eingangshalle mit fotografischen Auszügen aus einem kürzlich entstandenen Animationsfilm, in dem das Wachstum von Pilzen in den Vordergrund tritt, sowie eine Diashow im Treppenhaus: Against Meaning (2005) zeigt schwarz-weisse Schmuddel- oder “sleaze”-Bilder.
Daneben umfasst diese Ausstellung auch einige von Anne-Mie van Kerckhovens grösseren neueren Arbeiten: Deeper (2004) ist eine kreisende Filmprojektion, welche den Bewegungen eines Tänzers folgt und angesichts der bernischen Totentanztradition eine ganz besondere Bedeutung erlangt. Rorty, The HeadRoom (2004) ist eine ambitiöse Installation in einem halbdunklen Raum: Zwei Projektoren zeigen ein mehrschichtiges Bild. Der Besuchende geht durch ein Sensorennetzwerk und aktiviert dabei eine Reihe von Hyperlinks: Animationen, Texte und eine Anzahl “philosophischer” Räume, in denen sich Freundinnen und Freunde der Künstlerin aufhalten, die die Rolle der “Philosophen” spielen. Hier wird die neurologische Struktur des Gehirns imitiert, indem sich die Komplexität der Installation durch jede neue Besucherinteraktion steigert, welche die Reaktion, Logik und Interaktivität des KopfRaumes inspiriert.
Anne-Mie van Kerckhoven fasziniert die radikale und immer intensivere Verbindung zwischen Mensch und Technologie. Ihr Werk reflektiert unsere Suche nach der Bedeutung der neu entstehenden virtuellen Archetypen. Gleichzeitig integriert es die Zweifel und Ängste, ob wir Menschen mit dieser Übergangssituation umgehen können, wo Maschinen eingesetzt werden, um der Moderne eine neue Chance zu geben. Anne-Mie van Kerckhoven steht aus Notwendigkeit für den Futurismus ein, denn sie hat festgestellt, dass wir uns selber verändern, um in einer von uns drastisch veränderten Umwelt existieren zu können.
http://www.clubmoral.com/amvk/inzwitserland/
Die Ausstellung wird von einer grösseren Publikation begleitet: Anne-Mie van Kerckhoven: The HeadNurse-Files, eine Ko-Produktion von objectif_exhibitions (Antwerpen), NAK Neuer Aachener Kunstverein und Kunsthalle Bern, mit Texten von Filip Luyckx, Corinne Melin, Dorothea Olkowski, Philippe Pirotte, Renate Puvogel, Susanne Titz, Ronald van de Sompel, Wim van Mulders und Patrick van Rossem (Hrsg.)
In jüngster Zeit haben Solo-Ausstellungen von Anne-Mie van Kerckhoven im Museum für Moderne Kunst in Antwerpen (1999) und beim Neuen Aachener Kunstverein, Aachen (2004), stattgefunden. Sie ist u.a. an folgenden Gruppenausstellungen beteiligt gewesen: LopLop, Museum Boymans van Beuningen, Rotterdam (1997), Trattendosi, Zitelle, Venedig (1999), Trouble Spot. Painting, MuHKA/NICC, Antwerpen (1999). “Die verletzte Diva. Hysterie / Körper / Technik in der Kunst des 20. Jahrhunderts”, Galerie im Taxispalais, Innsbruck (2000), Phantom of Pleasure in der Neuen Galerie am Landesmuseum Joanneum (Kulturhauptstadt Europas 2003), Graz, sowie Dream Extensions im S.M.A.K., Ghent (2004).

© Übersetzung aus dem Englischen: Margret Powell-Joss
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