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Der amerikanische Künstler ist in den letzten Jahren durch Projekte hervorgetreten, die aus der paradoxen Verbindung von konzeptueller Grossartigkeit und unspektakulärer Beschaffenheit bestehen. Anlässlich der Biennale in Venedig 1999 installierte Serge Spitzer vom Boden eines grossen Raums im Arsenale bis ins Dachgebälk hinauf Zehntausende von übereinander gestülpten Gläsern, die das spärlich hereinfallende Licht einfingen und im Laufe der Zeit unter dem Einfluss von Erschütterungen herunterfielen. Durch den ganzen Pavillon der Schweizerischen Nationalbank an der Expo.02 in Biel (2002) wand sich ein wirrer Kreislauf von transparenten Kunststoffröhren, in denen zwei pneumatisch angetriebene Kapseln zirkulierten: Ein Computer steuerte sie so, dass sie nie kollidieren konnten. Die Spannungsverhältnisse zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Ordnung und Chaos, Gewicht und fragilem Schweben, Statik und Bewegung bilden rekurrierende Muster in Spitzers Werk, die vielfach auf gesellschaftliche Funktionsweisen hindeuten. Der Künstler entwirft seine „Realitätsmodelle“ (reality models) aus einfachen Materialien (wie Gläser, Spannteppiche, Fussmatten, Jalousien, Stahlträger…) oder komplexen Maschinen (Förderbänder, Rohrpost, Roboter, Computer usw.). Durch Umkehrungen, Zweckentfremdungen, Standortverschiebungen oder Kontextveränderungen fordert Spitzer unsere aktive, bewusste Wahrnehmung heraus.
Im Mittelpunkt seines Berner Projekts steht das dem Publikum unzugängliche Geschoss unter dem Pyramidendach der Kunsthalle. Ausser Licht und Luft befindet sich dort nichts. Trotzdem hat dieser Raum eine zentrale Bedeutung: in ihm sammelt sich die von allen vorhergehenden Ausstellungen ausgegangene Entropie; er verteilt das Licht in die Ausstellungsräume. Spitzer lässt uns dieses energetische Zentrum über verschiedene Medien und direkt physisch – aber immer nur bruchstückhaft, wie eben die Wahrnehmung von „Realität“ geschieht – entdecken.