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Eine Ausstellung kuratiert vom Team der Kunsthalle Bern: Nino Baumgartner, Florian Nya Buerki, Lea Fuhrer, Iris Frauchiger, Annina Herzer, Julia Jost, Julia Künzi, Ursina Leutenegger, Kabelo Malatsie, Teo Petruzzi, Christoph Studer.

Boxen in Grüntönen, chronologisch aufgereiht, sortiert nach Ausstellung und für jede:n Direktor:in eine neue Schattierung. Auf dem Arbeitstisch davor Ordnung, System, Regeln, weisse Handschuhe. Alles wird erfasst; was den Tisch passiert, wird gespeichert und aufgenommen in die moosgrüne Ordnung. Im Archiv der Kunsthalle Bern findet vieles Platz: Korrespondenzen, Fotografien, Videos, Dokumente im Zusammenhang mit der Institution und den Ausstellungen, Publikationen, Presseartikel, Verträge, Aufbaupläne, Notizen. Lange war das Archiv nicht in dieser Ordnung vorzufinden, es war – als Archiv – gar nicht zu finden, da es nicht zugänglich und aufgearbeitet war. Es bestand aus Kisten in Ecken von Büros, Haufen von Blättern, Mäppchen, verstaubten Regalen mit vergessenen Zetteln, aber vor allem Geschichten, die aus Bern in der ganzen Welt erzählt wurden.
Was wurde bisher dokumentiert und vor allem, was nicht? Bei Recherchen fallen oft genau diese Lücken auf. Es tritt hervor, was nicht niedergeschrieben wurde und die Aufmerksamkeit verschiebt sich auf das Unbekannte und die fehlenden Schnipsel, die es gar nie bis zur Ablage schafften. Genauso wird sichtbar, was als Nebensächlichlichkeit wahrgenommen und nie notiert wurde. Zwischen den aufgefundenen Spuren lässt sich vieles nur erahnen. Und auf dem organisierten Tisch taucht auch Unkategorisierbares auf – Wohin bloss mit diesen Schuhen, diesen zwei Stempeln? – Die passen nicht ins Schema.

Warum nicht diese Unverbundenheiten, diese Querschläger und diese Lücken selbst ausstellen? Anstatt vorgefundene Rätsel zu rahmen, versuchte das Team der Kunsthalle Bern in der Ausstellung Archival Ramblings diese Momente des Schweigens zu zeigen, ohne sie mit Geschichten aufzufüllen. Somit geht diese Ausstellung von offenen Fragen, von Diskontinuitäten und Fragezeichen aus, die auch als Anfangspunkte gelesen werden können. Die Auswahl begann ausgehend von persönlichen Interessen und der täglichen Beschäftigung der Adminstratorin, Presseverantwortlichen, Vermittlerin, Techniker:in, der Menschen am Empfang der Kunsthalle. Somit ist die Art, wie die Ausstellung zustande kam, genauso von subjektiven Entscheidungen geprägt wie die Archiviertätigkeit selbst. Gezeigt wird nun eine Sammlung von Fragmenten. Die Zufälligkeit der Zusammenstellungen dieser unterschiedlichen Schnipsel wird wiederum zu etwas Repräsentativem, das über sich hinaus auf vieles Weiteres verweist. Das Archiv wird so auch um Gedanken erweitert, die wir uns als Betreuer:innen und Mitwirkende zur Archivarbeit machen. Die gezeigte Auswahl unterstreicht die Leerstellen im Ausstellungsmachen und ergänzt das Archiv mit der Stimme des Teams als kuratorischem Kollektiv. Die gefundene Vielfältigkeit an Themen soll auch eine Einladung ans Publikum sei, sich näher mit dem Archiv der Kunsthalle Bern, sei dies online oder offline, zu beschäftigen.